Rauchen und der wirtschaftliche Schaden für den Staat
on September 9, 2010
Die Volkswirtin Ulrike Günzel von der Universität Hamburg hat in einer Studie die langfristigen ökonomischen Kosten des Rauchens berechnet. Das Ergebnis ihrer Analyse: Der wahre Preis einer Schachtel Zigaretten, den Raucher, Staat und Gesellschaft bezahlen müssen, liegt bei fast 40 Euro. Raucher wälzen von diesem Betrag 6,43 Euro auf Gesellschaft und Staat ab (z. B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall), auf den Raucher selber kommen 33,56 Euro zu (z. B. Ausgaben für Zigaretten und Kosten für durch das Rauchen verursachte körperliche Behinderungen und medizinische Behandlungen). Die Tabaksteuer wurde ebenso berücksichtig wie die Tatsache, dass Raucher den Staat auf Grund ihrer deutlich verkürzten Lebenszeit weniger Geld für Rentenzahlungen kosten.
Günzel hat nicht nur die sozialen Folgen des Rauchens untersucht, sondern auch die langfristigen Kosten berechnet. Das Ergebnis: Die Schachtel Zigaretten kommt den einzelnen Raucher langfristig teuer zu stehen. Vier Euro muss er in Deutschland zurzeit für eine Packung Kippen ausgeben. Ein Preis, der laut Günzel in Wirklichkeit aber sehr viel höher liegt: Nach ihren Berechnungen kostet eine Schachtel Zigaretten Raucher, Staat und Gesellschaft fast 40 Euro.
Diese Summe setzt sich zusammen aus externen Kosten (6,43 Euro), für die Gesellschaft und Staat aufkommen müssen, und privaten Kosten (33,56 Euro), die jeder Raucher selbst trägt. Letztere summieren sich im Laufe eines durchschnittlichen Raucherlebens auf 144 318 Euro. Dazu gehören beispielsweise die Ausgaben für Zigaretten sowie die Kosten für durch das Rauchen verursachte körperliche Behinderungen und medizinische Behandlungen. Für diesen Posten schlagen in Günzels Studie im Laufe eines Raucherlebens rund 16 300 Euro zu Buche. Die Autorin geht dabei von der Annahme aus, dass sich die Lebenserwartung eines Rauchers im Vergleich zu der eines Nichtrauchers um bis zu zehn Jahre verkürzt.
Der Wert dieser verlorenen Lebenszeit wird in der Studie mit 22,10 Euro pro Packung veranschlagt. Dabei greift die Hamburger Untersuchung auf eine Methode aus der amerikanischen Forschung zurück. Dort haben Wissenschaftler Raucher befragt, was ihnen ein verlorenes Lebensjahr wert ist – und so eine durchschnittliche Summe von 100 000 Euro errechnet.
Die durchschnittlichen Ausgaben für Zigaretten – Günzel veranschlagt pro Glimmstängel einen Preis von 20 Cent – fallen dagegen mit knapp 8400 Euro bei den privaten Kosten des Rauchens kaum ins Gewicht. Bemerkenswert: (…)
Aber auch Gesellschaft und Staat zahlen für jeden einzelnen Raucher. So fallen beispielsweise für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mehrere Millionen Euro pro Jahr an. Das macht pro Packung Zigaretten laut Günzels Berechnungen rund 1,40 Euro aus. Die Tatsache, dass der Staat durch die verkürzte Lebenszeit der Raucher weniger Geld für Rentenzahlungen ausgeben muss, sind in der Studie ebenfalls einkalkuliert worden. Auch wurden auf der Habenseite des Staates die Einnahmen aus der Tabaksteuer berücksichtigt. Würden diese Einnahmen wegfallen, lägen die Kosten für eine Zigarettenpackung laut Günzel sogar noch einmal um 2,18 Euro höher.
Via: Tagesspiegel
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